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Interview mit Kerstin Gier

Interview mit Kerstin Gier
Ihre Bücher stürmen regelmäßig die Bestsellerlisten. Einige sind sogar verfilmt worden. Aber der Erfolg ist Kerstin nicht zu Kopfe gestiegen. Sie ist die sympathische, etwas chaotische Frohnatur geblieben, die mit ihrem Humor nicht nur ihre Leser immer wieder zum Lachen bringt.

(Foto: Oliver Favre)

Darklady: Kerstin, du gehörst zu den erfolgreichsten deutschen Autorinnen, die wir im Moment haben. Deine Bücher stürmen alle Hitlisten, die Leute können gar nicht genug bekommen von deinen witzig-hintergründigen Geschichten. Woher nimmst du nur all die Ideen für deine Romane?

Kerstin Gier: Tja. Das frage ich mich auch manchmal. Aber irgendwie sind die Ideen immer schon da. (Gott sei Dank.) Nur das Aufschreiben macht dann die ganze Arbeit.

Darklady: Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen? War es schon immer dein Traum oder gab es so eine Art Initialzündung, die dich an den Schreibtisch getrieben hat?

Kerstin Gier: Wahrscheinlich habe ich mit dem Schreiben angefangen, weil ich nicht malen konnte :-) Und auf jeden Fall, weil ich immer unheimlich traurig war, wenn ich ein Buch zu Ende gelesen hatte. Meine ersten Schreibversuche sind daher Kalle Blomqvist, Teil vier und eine Fortsetzung vom schrecklichsten Kinderbuch aller Zeiten: Die Pfäfflings oder so ähnlich. (Darin ging es um eine schrecklich fromme, gebildete aber arme Familie, die ihre zahlreichen Kinder mit ekelhaftesten Erziehungsmethoden verkorkste - meine Fortsetzung nannte ich daher "Die Rache der verkorksten Pfäfflingkinder".)

Darklady: Wie sehr hat der Erfolg dein Leben verändert und wie reagiert dein Umfeld auf deine Berühmtheit?

Kerstin Gier: Hahahaha. (*lacht) Na ja, der "Erfolg" ist ja noch ganz frisch, und ehrlich gesagt hat sich auch noch nicht so besonders viel verändert. Aber neu ist auf jeden Fall, dass das Konto am Ende des letzten Jahres NICHT überzogen war - ein großartiges Gefühl. Und mein Umfeld freut sich, dass wir sie nicht mehr anpumpen (*lacht wieder ausgelassen) Nee, im Ernst, es ist schön, dass wir jetzt endlich unser Haus weiter fertig bauen können, das in manchen Ecken immer noch rohbauähnliche Zustände aufweist. Und Urlaub machen wir jetzt auch öfter - ohne schlechtes Gewissen. Im Verlag ist man übrigens genauso nett zu mir wie vorher auch: Die sind einfach immer schon nett gewesen bei Lübbe. Sehr netter Verlag.

Darklady: Als Starautorin mit Rekordverkäufen ist man ja (leider) auch Neid und Bosheit ausgesetzt. Wie gehst du mit Kritiken um, die eigentlich nur darauf zielen, dir die Laune zu verderben?

Kerstin Gier : Ich versuche es mit Yoga. Das macht wahnsinnig lässig....... ommmmmmh. (*wird nun doch ein wenig rot.)In echt bin ich oft richtig... fertig mit der Welt. Aber bald habe ich möglicherweise genug Geld, einen Killer zu bezahlen...

Darklady: Du hast bisher 35 Bücher und unzählige Kurzgeschichten geschrieben. Das bedeutet doch sicherlich, dass du sehr diszipliniert bist und deinen Alltag straff durchorganisiert hast. Wie können sich deine Leser einen Kerstin-Gier-Tag so ungefähr vorstellen?

Kerstin Gier: Oh je. Diszipliniert wäre ich wirklich gern. Beinahe so gern wie schlank. Ich WILL wirklich meine Schreibzeit (wenn mein Sohn in der Schule/bei Freunden ist) effektiv nutzen, aber dann kommen immer so viele Dinge dazwischen: All diese schönen Blogs, die man lesen kann. Bücherforen. Autorenforen. Nette Mails von Freunden beantworten. Und der Verkaufrang bei amazon muss ja auch beobachtet werden... Der Garten möchte auch beackert werden. Und gestern habe ich, anstatt zu schreiben, die Küche gestrichen. Fliederfarben. Sieht super aus. (Besser als es sich anhört, möglicherweise) Ein Kerstin-Gier-Tag ist immer ungefähr 24 Stunden zu kurz. Deshalb artet die Schreiberei vor dem Abgabetermin dann immer in echte Plackerei aus: Tag und Nacht. Und dazwischen auch noch.

Darklady: Was würdest du Menschen raten, die gerne schreiben und von einer Schriftstellerkarriere träumen?

Kerstin Gier: Ich würde ihnen raten zu schreiben. Und sich nicht irre machen zu lassen. Manche Träume gehen wirklich in Erfüllung.

Darklady: Wie stehst du den neuesten Literatur-Trends gegenüber?

Kerstin Gier: Meinst du Trends, die Bücher wie "Feuchtgebiete" umfassen? Ach, ich finde, wenn es so einen rasenden Absatz findet und solch explosives Echo hervorruft, wird es wohl auch seine Berechtigung haben. Man muss halt nur nicht jeden Trend mitmachen.

Darklady: Was liest du selber gerne und hast du Lieblingsautoren/Innen?

Kerstin Gier: Ich lese selber querbeet fast alles, liebe die Bücher von Arto Paasilinna, Nick Hornby, Anne Fine, Charlotte Thomas und Marian Keyes, aber auch Thriller wie von Linwood Barcley. (oder wie der Mann heißt - schwerer Name aber auch). Außerdem blättere ich für mein Leben gern in Gartenbildbänden.

Darklady: Bekommt eine Starautorin wie du eigentlich auch noch Absagen oder reißen dir die Verlage deine Exposees oder Manuskripte geradezu aus dem Computer?

Kerstin Gier: Man kommt ja gar nicht dazu, mal was anderes zu schreiben, als das, für das man ohnehin schon einen Vertrag hat. Und weil meine Abgabetermine ja immer schon so knapp sind, müssen die Verlage nehmen, was sie kriegen, ha.

Darklady: Treibst du einen Ausgleichsport, um vielleicht den typischen Berufskrankheiten wie HWS und so weiter vorzubeugen?

Kerstin Gier: Äh. (*schielt zum Laufband hinüber, das unter einem Wust von Klamotten und Kisten verborgen ist). Klar. Laufen und Gymnastik und - ach ja, Yoga, natürlich.

Darklady: Irgendwo habe ich gelesen, dass du gerne isst. Verrätst du uns dein Lieblingsgericht?

Kerstin Gier: Also, sehr gern esse ich selbstgemachte Spätzle. Mit Hähnchengeschnetzeltem und Salat aus dem Garten. Aber auch Tandoori-Reisgerichte. Oder grüne Bohnen mit... oh, was für eine Frage, ausgerechnet an mich. Ich glaube, ich mag alles, außer Preßsack. (Hört sich fies an, deshalb.)

Darklady: Hast du noch beruflich Pläne, Träume, Wünsche, die noch nicht erfüllt wurden?

Kerstin Gier: Ja. Jede Menge Pläne, Träume und Wünsche. Zum Beispiel diesen Traum mit dem eigenen Gartenbildband.

Darklady: Kerstin, ganz herzlichen Dank für dieses Interview
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